IoT-Business, Trends & Meinungen

Wie wird IoT zum gewinnbringenden Geschäftsmodell? Welche Trends zeichnen sich ab, die Sie für Ihr Geschäft nutzen können? Lesen Sie Interviews, Artikel und Statements zum Thema IoT als Businesstreiber. 

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Oliver van Laak, Vorstand der Cassini AG, sieht die Dringlichkeit, IoT als Strategiethema in den Chefetagen zu etablieren. Zumal die technischen Hürden fallen. Es wird immer einfacher, innovative Geschäftsideen zu realisieren. Auch die Cassini Gruppe geht mit einem Startup in die Offensive. Ein Interview über eine neue Gründerzeit. 

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Das Internet der Dinge gibt es schon seit über 18 Jahren. Warum sollen Unternehmen sich ausgerechnet jetzt damit beschäftigen?

van Laak: Tatsächlich gibt es seit Jahren das Versprechen, dass sich durch IoT in Unternehmen eine Menge verändern wird. Bisher ist kaum etwas davon eingetreten. Das hat sich besonders durch neue Technologien radikal gewandelt. Mehr denn je gilt: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Welche technologischen Entwicklungen haben dazu geführt, dass IoT jetzt der entscheidende Treiber in der Wirtschaft ist?

Es gibt mehrere Gründe, warum es jetzt wichtiger ist als jemals zuvor, sich intensiv mit IoT zu beschäftigen. Als erstes ist es die Verbreitung von IPv6, die jetzt in zunehmendem Maße gegeben ist. Durch das neue Internetprotokoll kann erstmals jedem Gerät eine Nummer zugeordnet werden – ähnlich wie die IP-Nummer eines Computers. Das klingt banal, hat aber enorme Auswirkungen auf die Produktion. Wer tausende Sensoren miteinander kommunizieren lassen will, hat dazu jetzt die technischen Voraussetzungen. Der zweite Grund: Durch Digitalisierung und Smartphones sind heute immer mehr Konsumenten bereit, selbst IoT-Geräte anzuwenden. Heute ist es für viele ganz normal, per App die Rollläden zu steuern oder die Autoheizung anzuschalten.

Wie reagieren Manager auf das Internet der Dinge?

Aus diesen beiden technologischen Sprüngen hat sich ein Markttrend hin zum Internet der Dinge entwickelt. Laut einer Studie der International Data Corporation (IDC), einem führenden Anbieter von Marktinformationen, sagen mehr als zwei Drittel der Manager, dass IoT für ihr Unternehmen in drei Jahren wichtig sein wird. Was zeigt, dass IoT in den Chefetagen ankommt. Das ist auch dringend notwendig. Fast alle Kunden von Cassini beschäftigen sich mit dem Thema, mindestens die Hälfte arbeitet bereits daran. Die meisten wollen die Technologie und den Markt kennenlernen und herausfinden, wie der Kunde reagiert. Das ist auch richtig. Wer das jetzt nicht tut, dem läuft danach die Zeit davon.

Welche Branchen betrifft IoT?

Ich kann mir kein Produkt vorstellen, in das nicht ein Sensor eingebaut werden kann. Daher sind eigentlich alle Branchen betroffen – wenn auch mehr oder weniger grundlegend. Die Agrarwirtschaft steht beispielsweise erst am Anfang. Hier integrieren Unternehmen gerade einzelne intelligente Geräte in ihren Betrieb. Etwa winzige Sensoren, die die Temperatur der Erde messen, um festzustellen wie schnell der Spargel wächst. Solche Geräte verändern natürlich nicht den Lauf der Welt, es sind aber erste Schritte hin zum Bauernhof 4.0.

Vollkommen verändert hat die digitale Transformation bereits die Medien- und die Telekommunikationsbranche. Wer steht heute im Fokus?

Ganz klar die Autohersteller und die Maschinenbauer, deren Produktionsformen gerade vom Internet der Dinge umgewälzt werden. In diesen Branchen reicht es längst nicht mehr aus, erste technische Erfahrungen zu sammeln. Sie sind schon deutlich weiter und integrieren IoT-Anwendungen. Das müssen keine teuren Hochleistungsroboter sein. Es gibt preiswertere Systeme, die in einfacheren Szenarien wie zum Sortieren von Schrauben eingesetzt werden. HTML-Roboter, die mit ganz trivialen und von vielen Menschen beherrschbare Technologien programmiert werden.

In welche Richtung wird sich das Internet der Dinge entwickeln?

Es wird einfacher. Aus welchem Grund ist das Internet so erfolgreich? Weil es einfach und offen ist. Die Anzahl der Menschen, die es entwickeln können, steigt rasant. Das gilt auch für das Internet der Dinge: Es wird immer offener und für fast jeden verständlich. Um diese Entwicklung zu unterstützen, hat Cassini ein eigenes Startup gegründet: ThingForward bietet unter anderem eine Software, die es Entwicklern erleichtert, IoT-Anwendungen zu bauen – und zwar schnell und ohne viel Vorkenntnisse. Mit Hilfe dieser Software ist es Studenten gelungen, innerhalb von zwei Tagen IoT-Produkte zu programmieren. Auch wir sind Teil der neuen Gründerzeit.

Sind auch kleinere und mittlere Unternehmen vom Internet der Dinge betroffen?

Ja, weil die bestehenden Techniken zum Beispiel im Maschinenbau oder in der Lagertechnik viel zu kompliziert sind, werden sie in wenigen Jahren durch das Internet der Dinge ersetzt werden. Darauf müssen sich alle Unternehmen, die kleineren wie die größeren, einstellen. Für die kleineren bringt das sogar Vorteile mit sich. Bisher ist der Markt durch Standards reglementiert, die für sie Barrieren bereithalten. Für relevante Industrieprotokolle müssen sie zum Beispiel Lizenzgebühren zahlen. Wenn das Internet der Dinge einzieht, wird es im Grunde nur noch eine Sprache geben, nämlich HTML.

Wie sieht es bei Unternehmen aus, deren Geschäft bereits durch die Digitalisierung verändert wurde?

Sie müssen rein in das Internet und es mitgestalten. Das Internet ist ja nicht einfach da, sondern es verändert sich. Seine Basistechnologien werden von der Internet Engineering Task Force (IETF) entwickelt. In dieser Arbeitsgruppe arbeiten Experten auch an Standards für das Internet der Dinge. Wer Akzente setzen will, muss in solchen Gremien aktiv werden.

Wie müssen sich die Organisationsformen bei Konzernen ändern, damit sie das IoT gestalten können?

Am besten funktioniert das mit agilen, schnellen kleinen Teams, die auf Ergebnisse fokussiert sind. Dann stehen Innovation, Geschwindigkeit und Flexibilität im Vordergrund. Mit diesen Methoden, die wir aus der Startup-Kultur kennen, sind Unternehmen angesichts des Internet der Dinge gut aufgestellt. Ein Beispiel ist Lemonbeat. Cassini hat RWE dabei unterstützt, hier eine Art Corporate Startup zu gründen, das vom Mutterunternehmen abgekoppelt wurde. Der Grund: Lemonbeat stellt hochspezialisierte Chips für IoT-Geräte her, die nichts mit dem Geschäft eines Stromkonzerns zu tun haben. Ein anderes Geschäftsmodell braucht eben auch andere Rahmenbedingungen.

Ihr Ansprechpartner:
Oliver van Laak
Partner
iot(@)no-spam.cassini.de 

Mut zum Geldverdienen

Wie wird IoT zum Umsatztreiber? Für Michael Schmitz, Partner bei Cassini, haben sich fünf Geschäftsmodelle als erfolgreich erwiesen. Um sie zu realisieren, braucht es Mut zur Innovation. Den bringen interessanterweise gerade auch die Unternehmen der viel gescholtenen Old Economy mit. Nur sollten es mehr davon sein. 

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Welchen Unternehmen gehört die Zukunft? Als erstes fallen da einem die Treiber der Digitalwirtschaft ein: Google, Amazon & Co. Doch immer mehr Unternehmen der so genannten Old Economy wie traditionsreiche Maschinenbauer oder Automobilproduzenten erkennen ihre Chance. Indem sie ihre Produkte neu denken und um Sensoren, Webservices und Apps ergänzen, erweitern sie ihre Geschäftsfelder und finden zu neuen, spannenden Erlösquellen.

Object Self-Services: Geräte bestellen selbst.

Wie Miele. Der Haushaltsgerätehersteller will Amazon den Smart Home-Markt nicht konkurrenzlos überlassen und hat in einige seiner Waschmaschinen ein WLAN-Modul eingebaut. In Echtzeit übermittelt es den Stand des Waschmittels. Geht es zur Neige, wird der Nutzer über eine App informiert und kann über den Miele-Shop neues bestellen. Object Self-Services heißt, dass Geräte in die Lage versetzt werden, ihre Verbrauchsmittel eigenständig zu ordern. Das bedeutet einen Bruch mit Traditionen: der Zwischenhändler wird umgangen und der Hersteller tritt in direkten Kundenkontakt. Mit der Konsequenz, seinen Vertrieb und seine Organisation komplett neu aufzustellen. 

Physical Freemium: kostenfreies Locken.

Besonders leicht wird dem Kunden der Einstieg ins IoT-Geschäft mit Physical Freemium gemacht. Die Idee: Ein digitaler Service wird zunächst kostenfrei zur Verfügung gestellt. Nach einem festgelegten Zeitraum werden ausgewählte Dienste kostenpflichtig. BMW macht es mit seinem Assistenz-System Connected Drive vor. Gegen Gebühren können Fahrer bestimmte Navigationsdienste beispielsweise für die Urlaubsreise hinzubuchen. Der Autohersteller wird somit zum modernen Servicedienstleister – inklusive lukrativer neuer Einnahmequellen.

Digital Add-On Services: exklusive Angebote.

Bei dem dritten Geschäftsmodell kann der Kunde nach dem Kauf des Gerätes zusätzliche digitale Dienstleistungen erwerben. Zum Beispiel bietet Vorwerk für seine Küchenmaschine Thermomix bestimmte Chips mit Rezepten an. So werden über den gelieferten Content nicht nur neue Umsätze generiert, durch die exklusiven Angebote wird auch die Kundenbindung erhöht. Rund um den Thermomix ist eine weltweite Koch-Community sowie ein neues Geschäftsmodell für den Hersteller und für Content-Lieferanten entstanden. Die digitale Küchenhilfe ist heute das erfolgreichste Geschäftsfeld von Vorwerk.

Digital Lock-In: Kunden einfangen.

Andere Unternehmen wie der Landmaschinenhersteller John Deere verwenden digitale Signaturen, um zu gewährleisten, dass ausschließlich Originalteile verwendet und Reparaturen von autorisierten Werkstätten vorgenommen werden. Erst nach der Freischaltung durch den Hersteller können sie in Betrieb genommen werden. So sind Kunden und Hersteller sicher, dass keine nachgebauten oder gefälschten Teile eingebaut werden. Was die Qualität erhöht, ist gut fürs Geschäft. Denn Kunden werden fest an das eigene Ökosystem gebunden.

Sensor as a Service: Daten verkaufen.

Beim fünften und letzten Geschäftsmodell stellen Unternehmen die über die Sensoren erhobenen Daten anderen zur Verfügung. Zum Beispiel stattet der Autohersteller Ford bestimmte Modelle mit Sensoren aus, die Bewegungen der Scheibenwischer messen. Über Schnittstellen können andere Unternehmen die Daten nutzen und etwa lokale Regenfelder lokalisieren – natürlich gegen eine Gebühr. So werden kontinuierliche Erlöse in einem anderen Geschäftsfeld generiert.

Vorangehen statt abwarten.

Welches Geschäftsmodell passt, hängt am Ende vom Produkt und Umfeld ab. Das größte Potenzial bieten zweifellos Geräte, die ihre eigenen Verbrauchsmittel ordern. Ein Maschinenhersteller, der zum Zwischenhändler wird, konkurriert aber zwangsläufig mit anderen Unternehmen – möglicherweise bisherigen Partnern. Das bringt Unruhe in langjährige Geschäftsbeziehungen. Doch das größte Risiko besteht darin, abzuwarten wie digitale Angreifer voranpreschen. Schon heute werden jährlich 235 Milliarden Dollar mit IoT-Technologien und Services umgesetzt. Ganze Märkte und Branchen definieren sich neu. Nicht etwa in ferner Zukunft, sondern jetzt. Für Unternehmen der Old Economy bedeutet das, sich auf ihre Stärken zurückzubesinnen: Mut und Innovationskraft. Tugenden, durch die sie in der Vergangenheit groß geworden sind. 

Ihr Ansprechpartner:
Michael Schmitz
Partner
iot(@)no-spam.cassini.de 

Kategorie  |  IoT Strategy

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